Motorsport Club Linsburg e.V. 1985

 

 

 

 

30. Jahre Stock Car Rennen des MSC-Linsburg

 

Ein kleiner Road Trip durch die letzten 3 Jahrzehnte voller Benzin, Schweiß, kaltem Bier und jeder Menge Vollkontakt Motorsport.

 

Wie alles begann

Es begann in den frühen 1980er Jahren mit einem kleinen Flyer (hieß damals anders) der Carsten Weiß in die Hände viel:

Altwagenrennen in Bohnhorst!

 

Carsten war direkt Feuer und Flamme und wurde somit der erste Stock Car Fahrer aus Linsburg mit einem VW Variant 1600. Im nächsten Jahr machten sich mit Carsten Weiß und Fritz Kahle schon zwei Linsburger mit ihren Autos auf den Weg nach Bohnhorst und wurden von Wolfgang Buckwitz und Kurt Engelbart begleitet. Fritz war noch 17 und brauchte die Unterschrift seiner Eltern um überhaupt starten zu können und nach dem Rennen wurde das Auto noch auf dem Acker für 20 DM an einen Schrotthändler verkauft.

Im nächsten Jahr kam als Fahrer noch Dieter Schacht dazu, der eigentlich mit einem 16er Renault starten wollte, doch da die Antriebswelle noch im Vorfeld des Rennens abriss und mangels Ersatzteilen wurde kurzerhand der VW Käfer, mit dem sein Bruder Willy noch nach Bohnhorst her gefahren war, vor Ort fachmännisch zum Rennwagen umgebaut: die Scheiben mussten raus, fertig!

Jetzt waren genug Linsburger vom Stock Car Virus infiziert, deshalb wurde im nächsten Jahr der MSC Linsburg von 1985 e.V. in der Gaststätte „Zur Post“ gegründet und die Idee ein eigenes Rennen zu veranstalten wurde forciert.

 

Das erste eigene Rennen

Das erste eigene Rennen fand auf einem Feld am Stöckser See statt und war rein Vereinsintern. Es wurde, wie damals üblich, in T-Shirt und kurzer Hose gefahren und es waren etwa 15 Autos am Start. Dazu gab es eine Bierbude und einen Grill und es waren knapp 100 Zuschauer vor Ort um sich das Spektakel anzusehen. Dazu kamen noch ein paar Soldaten vom angrenzenden Übungsplatz, die ein Manöver durchführten und die vom Lärm und vermutlich dem Geruch von Fassbier und Bratwurst magisch angezogen wurden. Die Zuschauer kamen damals in den Genuss Modellen wie VW Variant, Golf 1 oder Ford Taunus beim Sterben zusehen zu können. Unter den Fahrern waren einmalige Teilnehmer wie Thorsten „Toto“ Hagedorn oder auch Leute wie Dietrich „Kerni“ Kernein, die danach über Jahrzehnte dem aktiven Stock Car Sport treu bleiben sollten und es teilweise noch heute sind.

 

Das Zeitalter des Wachstums und dem Eintritt in die IGNW

Schon das 2. Rennen sollte mit circa 60 Teilnehmern auch aus anderen Vereinen das erste Rennen deutlich übertreffen. Es wurde bereits in Klassen gestartet wie es auf Veranstaltungen der IGNW (Bohnhorst/Bramsche/Preußisch Oldendorf/Schnathorst) üblich war und es gab sogar eine Frauenklasse. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und von da an war Stock Car Rennen Linsburg ein fester Termin im Jahr wie Schützenfest und Weihnachten. Auch hatte sich der noch junge Verein bewiesen solch eine Veranstaltung stemmen zu können und es wurde über die Aufnahme in die Meisterschaftsläufe der IGNW verhandelt, die dann auch erfolgte und bis heute besteht, während Rennen wie Bohnhorst oder Schnathorst nur noch den älteren im Fahrerlager ein Begriff sind.

 

Das Zeitalter der Hosenträger und Käfige

Aufgrund von steigender Geschwindigkeit und auch einiger schwererer Verletzungen, die z.B. auch dazu führten, dass Bohnhorst kein Rennen mehr veranstaltet, Rückte der Aspekt der Sicherheit immer mehr in den Focus. Die ersten Überrollbügel mussten in die Autos eingebaut werden und wurden über die Jahre immer mehr zu Überrollkäfigen die festen Kriterien entsprechen mussten. Auch der Seriengurt reichte nicht mehr aus und die noch heute verwendeten 3 Punkt-Gurte wurden Pflicht. Auch Dinge wie Wassertanks wurden verboten und Kühlsysteme und Tank mussten sicher sein.

 

Das Zeitalter der Panzer

Auch die Autos wurden verändert und so kristallisierten sich ein paar Marken und Modelle heraus die sich besonders gut für Stock Car eigneten, wie Ford Taunus und Granada oder Opel Kadett und Ascona. Andere Fabrikate wurden immer mehr zu Exoten die meistens nicht mit den anderen mitthalten konnten. Dazu kam noch, dass die Autos immer unzerstörbarer wurden weil Rohre, Eisen und Bleche immer mehr eingebaut und verschweißt wurden, was irgendwann in Stahlplatten gipfelte die mit einem Schweißbrenner zugeschnitten werden mussten. Dies hatte zur Folge, dass die Autos schwerer wurden, worauf wieder mit mehr Leistung und Traktion reagiert werden musste und es begann teilweise ein Wettrüsten, dem dann von der IGNW Einhalt geboten werden musste. So wurden Zwillingsreifen, Igel-Profil und dann später auch die extremen Verstärkungen verboten.

 

Das Zeitalter des Umweltschutzes und der Frontkratzer

Die 90er waren vor allem durch immer strengere Auflagen beim Umweltschutz geprägt die es den Vereinen bis heute immer schwerer machen so eine Veranstaltung durch zu führen.

Aber auch im sportlichen Bereich fand eine kleine Kulturrevolution statt, die Fronttriebler hielten Einzug in die Stock Car Arenen Nordwest-Deutschlands. Männer wie Ralf „Ralle“ Behme entdeckten den Vorteil in den Kurven mit als erstes und entschieden sich dann z.B. für den Ascona C mit dem 1.8E Motor. Von da an begann in den Klassen 1 und 2 langsam das Aussterben der heckangetriebenen Fahrzeuge.

 

Das Zeitalter der schwindenden Teilnehmer und der Frage nach dem echten Stock Car

Die frühen 2000er waren vor allem durch sinkende Teilnehmerzahlen und immer weichere Autos gekennzeichnet. Autos hatten immer kürzere Halbwertszeiten durch dünneres Blech und Sollbruchstellen, Fahrgastzellen und Knautschzonen, ab Werk die im normalen Straßenverkehr zwar von Vorteil sind, es den Fahrern aber immer schwerer machten die Autos haltbarer zu machen und einen enormen Zeitaufwand forderten, was immer mehr Fahrer dazu brachte das Stock Car fahren auf zu geben. Der MSC Linsburg war immer ein Verfechter des wieder maßvolleren Verstärkens und hat um Widerstände in der IGNW zu brechen eine 2. Rennserie Mitte der 2000er ins Programm genommen. Die Norddeutsche Stock Car Meisterschaft (NDM) war ein wenig anders aufgestellt und beschränkte vor allem „das Schweißen“ nicht. Ziel war hierbei als erster 5 Runden zu absolvieren und die anderen Fahrzeuge mit allen Mitteln daran zu hindern.

In den Jahren 2005 und 2006 war das Linsburger Stock Car Rennen somit eine Doppelveranstaltung mit noch mehr Autos und ordentlich Action für die Zuschauer. Doch im Fahrerlager gab es auf beiden Seiten unverbesserliche die jeweils für sich beanspruchten echtes Stock Car zu fahren und die anderen würden nur Speedway oder auch Mädchen Stock Car fahren und umgekehrt wurde behauptet dass das IGNW Stock Car ja in Wirklichkeit Crash Rennen wäre und überhaupt, dass die Autos ja gar nichts aushalten würden. Diese Auseinandersetzung ging teilweise sogar bis zu Handgreiflichkeiten untereinander. Als dann von Seiten der NDM gefordert wurde der MSC müsse sich entscheiden welche Rennserie sie fahren und veranstalten möchten, denn einer weitere Doppelveranstaltung würden sie nicht zustimmen, da entschied der MSC sich dazu bei seinen Wurzeln zu bleiben und weiter ECHTES STOCK CAR ?!?! zu fahren.

 

Das hier und jetzt und das Rennen mit ohne Anfassen

Die letzten Jahre waren durch eine immer geringere Teilnehmerzahl geprägt und die Königsklasse 3 ist mittlerweile sehr stark vom Aussterben bedroht. Auch Linsburger Fahrer sind in der IGNW wenig geworden. Dies liegt auch mit daran, dass wir uns seit mittlerweile 3 Jahren mit der WBAC eine neue Rennserie mit auf die Veranstaltung geholt haben. Viele Fahrer sind vom Stock Car zum Autocross gewechselt, in der Hoffnung nicht mehr so viel Schrauben, Schweißen, Flexen und reparieren zu müssen, wie in der IGNW. Die Zuschauerzahlen der letzten Jahre zeigen uns, dass die Rennserie gut angenommen wurde und eine Straffere Organisation unsererseits ermöglicht es, dass der Zuschauer kaum noch Zeiten über sich ergehen lassen muss in der auf der Strecke kein Motorsport geboten wird und die Fahrer aber trotzdem auf ihrer Fahrzeiten und auch Reparaturgelegenheiten kommen.

Wir vom MSC Linsburg wünschen allen Zuschauern Fahrern und Helfern ein spannendes und erfolgreiches Rennwochenende.

 

Mit motorsportlichen Grüßen

 

Till Engelbart, MSC Linsburg

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