Beim ersten mal tat es noch weh


Auch wenn der Titel dieses Reports eventuell etwas anderes verspricht, als ihr in den folgenden Zeilen lesen könnt, dürft ihr euch dennoch auf eine völlig sinnlose Geschichte freuen, die so einige Höhepunkte parat hat :-)

Die Vorbereitung

In den ersten Dezembertagen 2011 sprudelte der Sound von The Offspring aus meiner Hosentasche. Obwohl ich den elektrischen Gitarren gern noch länger zugehört hätte, wollte ich den Anruf dennoch annehmen, da mein Display mir zeigte das der Granada Drift King Sebi Sander
http://www.myvideo.de/watch/53317/ford_granada_drift mich anrief. Er wollte mich zu der glorreichen Idee überzeugen, am 30.12.11 die vermutlich letzte Motorsportveranstaltung des Jahres zu besuchen - ein Bangers & BagerStoxx Race in Emmen! Da die ersten Dezembertage ja auf dem Thermometer noch Frühlingsgefühle versprühten und ich noch nie bei einer solchen Veranstaltung gewesen bin, konnte die Antwort eigentlich nur "JAAA!!!!" bedeuten. Sebi organisierte noch ein paar weitere Rennsportbegeisterte, das Event konnte also beginnen. Sein Organisationstalent war so gut, das wir plötzlich mit 2 vollen Autos, bepackt mit einer bunten Mitgliedermischung aus der RG Bohnhorst, dem Overkill Team Sulingen, dem Granada Racing Team und dem MSC Linsburg in der Nähe von Sulingen bei Gerrit "Borni" Bornemann am 30.12. um 07:00 Uhr in der Garage die letzte Zigarette vor der großen Reise rauchen konnten.


Die Fahrt

Ich habe mich dem Golf 3 Kombi von Toffi Sander angeschlossen, mit dem Hintergedanken jederzeit während der Fahrt in den Kofferraum an meine Kiste Bier greifen zu können. Zu früh gefreut! Links neben mir nahm die kinderlose Rennsportlegende Christian "Harry" Kocher platz (der übrigens den verdammt geilen Blog 
www.gt-motorblog.de mit Storys füllt). Auf der anderen Seite versuchte sich Sebi einen Platz zu ergattern, was ihm auch zu meinem und Christians bedauern gelungen ist. Von der ca. 1,5 Meter breiten Rücksitzbank haben Christian und ich uns dann etwa 50cm geteilt - naja, was soll's, im Kuschelkurs Richtung Tulpenland! Zum Glück hatte der fünfte Mann im Fahrzeug, MTW, auf dem Beifahrersitz genug Platz mit seinem vollschlanken Körper.

In Bersenbrück schlossen sich nach einem Kaffee und einer Vanillemilch mit Bananengeschmack an unseren Konvoi noch 2 Autos mit Mitgliedern des SCC Bramsche an, also eine große IGNW-Truppe auf dem Weg nach Holland. Auf der Fahrt war es relativ ruhig, mag entweder daran gelegen haben das alle noch nüchtern waren oder daran, das unsere Stimmbänder sich nicht so entfalten konnten aufgrund der engen Platzverhältnisse. Nach einer gefühlten Ewigkeit und diversen Gerüchen aus MTW's Lunchpaket erreichten wir dann auch endlich das Vaterland von Sylvie van der Vaart. Während sich 4 von 5 Leuten auf die wunderschöne Landschaft konzentrierten, in der ich hoffentlich niemals wohnen muss, hörte ich plötzlich eine völlig unbekannte Stimme im Auto, es war die von MTW.

Seine ersten 7 Worte an diesem sonnigen Tag waren "Da steht ne drei Meter große Ziege"!! Auch wenn sie von uns keiner wahrnehmen konnte, ließen wir ihn in dem Glauben das es so große Ziegen in den Niederlanden gibt um weitere Diskussionen zu vermeiden. Kurz nachdem wir diese Mega-Ziege passiert hatten, sahen wir auch schon das Schild zur Rennstrecke. Toffi holte nochmal alles aus seinem 3er und beförderte uns auf den letzten Metern fast noch in eine Urne statt zum Speedway, im Endeffekt ging aber alles gut und wir konnten unser Kuschelmobil parken. Christian und ich fühlten nach gut 2 Stunden und reichlich Trombosespritzen endlich unsere Beine wieder, mein Armee Rucksack, vor der ich mich immer gedrückt habe, wurde mit dem restlichen Bier ausgestattet und wir marschierten Richtung Fahrerlager.


Vor dem Rennen

Mit neugierigen Blicken und viel zu dünn gekleidet, aber mit Becks in der Hand erreichte ich nach einigen Metern schon das Fahrerlager.... und wußte nicht, wo ich zuerst und zuletzt hinschauen sollte. Die Lackierungen der Fahrzeuge waren schon ziemlicher Wahnsinn, aber die Fahrzeuge an sich erst...der absolute Hammer - na klar, so ein Granada ist immer was besonderes, im Vergleich zu den Fahrzeugen, die sich aber hier aufreihten, hat man die Granni's aber kaum noch beachtet. Nen 54er Humber Hawk war sicherlich eines der Prachtstücke in diesem Fahrerlager, aber auch ein Opel Kapitän, ein Kadett C Caravan oder ein Ghostbusters Mobil waren hier zu finden. - die spinnen doch, die Holländer - bei uns findet man diese Fahrzeuge kaum noch und die bauen sich diese wunderschönen Oldtimer für vermutlich einen richtigen Crash zusammen.

Die Fahrer, die man so im Fahrerlager gesehen hat, hätten unterschiedlicher auch kaum sein können. Vom unreifen Bleifußpiloten bis zum "gefühlten" Sargnagel war von jung bis alt alles dabei und man sah die Vorfreude auf den ersten Lauf in den Gesichtern und hörte es vor allem an den kreischenden Motoren. Beim Gang durch's Fahrerlager gab es neben den schönen Autos aber auch einige Gefahren, die auf uns warteten, sowohl von unten, als auch von den Seiten. Der Boden war mit Pfützen überflutet wie ein Minenfeld, hier nicht in Wasser zu versinken, war eine echte Kunst - ich hab's natürlich nicht geschafft, zum Glück hatte ich flache Turnschuhe an, die dann auch gleich voll waren mit Wasser - aber auch die Fahrer auf dem Weg zur Fahrzeugabnahme konnten anscheinend nicht genau unterscheiden zwischen Rennstrecke und Schrittgeschwindigkeit.

Wir nahmen die Mission aber an uns und kämpften uns weiter durch. Reng-Teng-Teng, was sich anhörte wie der Kettenschwingende Antagonist aus der Zeichentrickserie Bionic Six war in diesem Fall ein kleiner Trabant. Ob der wohl früher dem Genosse Honecker gehörte? Die Antwort lässt sich nur erahnen, was uns auch viel mehr interessierte, war die Frage wie lange so eine 2-Takter Pappe überhaupt bei einem solchen Rennen überlebt. Nach ca. 180 Fahrzeugen hatten wir dann das Fahrerlager komplett durchgearbeitet und sind Richtung Strecke marschiert. Voller Vorfreude auf das was uns nun erwarten sollte und...natürlich mit eiskaltem Becks in der Hand um die Kälte mit Eiskälte zu besiegen.


Das Rennen

Der Start begann ...... nicht, zumindest nicht zur angekündigten Uhrzeit. Die letzten Bierreserven waren mittlerweile aufgebraucht und der Rucksack hat nur noch schlaff mit einer Flasche Wasser von Christian bestückt auf meinem Rücken rumgehangen - Toffi hat die schreckliche Lage aber direkt erkannt und Abhilfe geschaffen und so kam es zu der vermutlich ersten Palette Heineken Dosenbier in meinem Rucksack. Lecker!!! Bei Dosenbier und verzweifelten Blicken zur Uhr, wann es denn endlich zur Blechkaltverformung kommt, trafen wir noch eine Truppe vom Kleeblatt-Team aus Preußisch Oldendorf und eine Truppe vom SCT Black Bomber aus Paderborn - schon cool wer sich am vorletzten Tag des Jahres so auf dem Emmen Speedway rumtreibt und das, obwohl die Südseeinsel Samoa in diesem Jahr doch diesen Tag übersprungen hat um bessere Handelsmöglichkeiten zu haben.

Mit etwa 30 Minuten Verspätung kamen dann die ersten Wagen auf die Bahn, zuerst gab es ein BangerstoxxRennen. Eines der Fahrzeuge war hierbei auch der vorhin angekündigte Volkswagen des Ostens, er blieb allerdings schon in der Einführungsrunde stehen. Ostdeutsche Wertarbeit! Genug mit dem Geschwafel und den langsamen Einführungsrunden, die Ampel sprang auf Grün, die Motoren jaulten auf wie ein Wolfsrudel auf Wildjagd und wir schauten von unserem Kurvenplatz die lange Grade runter wie die Autos um jeden Zentimeter der Bahn kämpften bis...... Booooom!!! Ich zuckte zusammen... 3 Fahrzeuge direkt unter uns in der Betonwand einschlugen! "Yeeeeehhhhaaaawww" Was für eine Show - und verdammt nochmal, wie muss das auf die Knochen gehen, jede Krankenkasse würde die Hände über Kopf zusammenschlagen bei solchen Patienten! Zweite Runde und wieder das gleiche, direkt unter uns klatschten die Fahrzeuge in die Wand wie auf Kindergeburtstagen die Eier an die Fenster. Absoluter Wahnsinn!!!! Die ersten Runden hatte ich noch leichtes Mitgefühl verspürt, später aber, war es nur noch Vorfreude und die Einschläge konnten nicht stark genug sein!

Nach den BangerStoxx Läufen durften dann auch die Bangers Fahrzeuge zum ersten Lauf antreten. Endlich.... Das Brüllen der V-Motoren war kaum zu überhören und der Wahnsinn der Fahrer nicht zu übersehen. In allen Ecken der Bahn schlugen die aufwendig lackierten Karossen in den Betonmauern ein. Stand an einer Ecke ein noch relativ unbeschädigtes Fahrzeug, hat es nicht lange gedauert bis das nächste Eisenschwein wieder einschlug. Wir jubelten, wir klatschten, wir feuerten an und wir tranken wie eine Horde von Fußballfans des großen Holzbein Kiel beim Jahrhundertspiel gegen den FC Süderbravo. Jeder Fahrer, jeder Crash und jede neu geöffnete Dose Heineken wurde von uns gefeiert wie die Vorstellung des ersten Ottomotors! Es gab noch viele weitere Läufe, mit diversen Manövern anzusehen und zu bejubeln. Die Pausen zwischen den Läufen wurde dann meistens genutzt um Bier auszutauschen, Hühnerknubel zu naschen, sich von den Einheimischen beleidigen zu lassen oder einfach um Gespräche zu führen.

In einer der Rennunterbrechungen trafen Toffi und ich auch die Truppe um PJ und Peter von
www.stockcarforum.de zu einem lustigen Plausch über die Regelkunde, auch wenn ich nur noch die Hälfte verstanden habe. Ebenso haben wir Bernie von Bernie's Bangerpromotion getroffen und sein Büro versehentlich als Mülleimer benutzt, Godverdamme, sorry Bernie!!! Viele uns bekannte Gestalten haben dann noch die letzten Läufe bis hin zum Rodeo mit angeguckt - es wurde bei absoluter Dunkelheit bis in die tiefen Abendstunden gefahren und ich kann es nur wiederholen..."Yeeeeehhhhaaaawww!!!!!!!!!"


Fazit

Diese atemberaubenden Autos, die Crashs, das ganze drum herum muss man einfach mal gesehen haben. Es ist in Worten einfach unbeschreiblich wie spektakulär diese Rennen anzusehen sind. Wir hielten trotz der Kälte bis zum Schluss durch, hatten selbst nach vielen Stunden noch nicht die Schnauze voll und konnten uns noch über jeden einzelnen Angriff freuen wie ein Schulkind über seine erste Spielkonsole. Wer diese Rennen langweilig findet oder zu wenig Action sieht, sollte definitiv einen Optiker aufsuchen!
Wir kommen wieder - keine Frage!

"Wenn du die Lücke nicht mehr suchst, bist du kein Rennfahrer mehr"
*Ayrton Senna*


Das war es von mir aus dem Land der Tulpen, Windmühlen und dem Heimatland der NewKids!

Bis zum nächsten mal...
Schnodda